Die Autoren
 
 
Sebastian Marcks ist Studienleiter im Fach Pädagogik am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH). An der Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg unterrichtet er die Fächer Deutsch und Geschichte sowie im Seminarfach der Profiloberstufe Medienkunde, Projektmanagement, Kultur- und Medienmanagement. Zudem ist er Projektleiter des Jugendradioprojekts Radio Pinneberg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Medienpädagogik, selbst organisiertes und eigenverantwortliches Lernen, Projektunterricht sowie Zeit- und Selbstmanagement.
 
Maren Stolte ist Studienleiterin im Fach Pädagogik am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) sowie Lehrerin für die Fächer Deutsch und Philosophie an der Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg. Maren Stolte ist verantwortlich für das Enrichment-Projekt, das hochbegabten Schülerinnen und Schülern spezielle Angebote zur intellektuellen und persönlichen Entwicklung bietet. Darüber hinaus kann sie auch auf vielfältige Erfahrungen als Dozentin für Lerntechniken und Selbstmanagement sowie als selbstständiger Coach und Supervisorin zurückgreifen.
 

 
 
 
 
 
Brummi
DER KLEINE LERNBEGLEITER
in zehn Fragen
 
1. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Lernbegleiter zu schreiben?
 
Die Idee zum Kleinen Lernbegleiter ist nach und nach entstanden. Es gibt also nicht den einen Auslöser, der die Idee gebracht hat. Dennoch hat es zwei Beobachtungen gegeben, die mit ausschlaggebend waren: Zum Einen haben wir in unserer Unterrichtstätigkeit immer wieder erlebt, dass fast alle Schüler nur eine sehr vage Vorstellung davon haben, was Lernen eigentlich ist und wie das Gehirn das macht. Der eigene Kopf samt Inhalt erschien den meisten Jugendlichen wie eine black box, mit der man sich nicht weiter beschäftigt. Haben wir den Schülern dann die logischen Zusammenhänge des Lernens und die Funktionsweise des Gehirns erklärt, waren sie nicht nur ausgesprochen interessiert und mit Feuereifer bei der Sache, sondern haben ihre neuen Erkenntnisse auch sehr schnell umgesetzt - zum Beispiel zum erfolgreicheren Lernen. Zum Anderen beobachteten wir eine wahre Flut an neu veröffentlichten Büchern über das Lernen und das Gehirn für Erwachsene, für die täglich in der Schule lernenden Schüler fanden wir aber nichts Entsprechendes. Stattdessen stießen wir in unseren Recherchen auf alle möglichen so genannten Lernhilfen, die meist ein Sammelsurium von Lerntechniken und Lerntipps darstellten, die in unserer Erfahrung nicht nachhaltig zu kompetenterem Lernen führen und häufig die Schüler sehr langweilen oder nerven. Wir wollten ein wirksames Lernenlernenbuch schreiben, das beim Lesen richtig Spaß macht. Unsere Leser sollen dabei nicht nur erfahren, wie man gut lernt, sondern auch, warum das so ist.
 
 
2. Was ist das Besondere am KLEINEN LERNBEGLEITER und was unterscheidet ihn von anderen Lernhilfen?
 
Eigentlich mögen wir das Wort "Lernhilfe" gar nicht so gerne. Natürlich hilft der Kleine Lernbegleiter beim Lernen, aber eigentlich ist er ein gut und spannend zu lesendes Buch über das Lernen und über das Gehirn. Unsere jugendlichen Leser erfahren viel darüber, wie das eigene Gehirn funktioniert - sie lernen sich also vor allen Dingen selbst kennen. Und sie erwerben die Fähigkeit, ihrem Gehirn entsprechend zu lernen und zu entscheiden.
Die meisten "Lernhilfen", die wir uns angesehen haben, fanden wir wenig ansprechend oder sogar todlangweilig. Außerdem wurden da zwar Lernmethoden in ihrer Anwendung dargestellt, aber wann und warum diese Methoden funktionieren, wie man sie für sich abwandeln kann und was dabei im Gehirn passiert, wurde nicht erklärt. Das Spannende, das auch dazu führt, dass ich mal eine solche Methode für mich ausprobieren möchte und sie mir auch merken kann, fehlte also. Im Kleinen Lernbegleiter ist das anders. Er liest sich streckenweise eher wie ein spannender Roman, in dem das Gehirn von sich erzählt. Da das Lernen eine wichtige Beschäftigung des Gehirns ist, erfahren unsere Leser viel über dieses Thema. Es bleibt aber nicht nur dabei. Letztlich geht es beim Kennenlernen des Gehirns und seiner Funktionsweise um das Kennenlernen der eigenen Persönlichkeit. Wir möchten auch zum Nachdenken über sich selbst anregen und damit die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen unterstützen. Wir möchten dazu beitragen, dass Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes selbst-bewusst werden. Das ist entscheidend für Lernerfolg und auch für Lebenserfolg.
 
 
3. Was meinen Sie genau mit Persönlichkeitsentwicklung? Ist das nicht vielleicht ein etwas großes Ziel für eine Lernhilfe?
 
Ja, deshalb mögen wir ja auch den Begriff "Lernhilfe" nicht so gerne. Außerdem mögen wir große Ziele und möchten auch unsere Leser für solche großen Ziele begeistern. Aber ernsthaft: Wenn wir uns mit unserem Denken und Lernen beschäftigen, dann haben wir es natürlich auch immer mit unserer Persönlichkeit zu tun. Die Art und Weise, wie wir denken und was wir lernen, wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen, das ist es was unsere Persönlichkeit ausmacht. Es wäre doch ein vergebene Chance, wenn wir den Jugendlichen nicht vor Augen führen würden, dass sie selbst mitentscheiden können, wie sich ihre Persönlichkeit entwickelt. Zu wissen, wie man lernt, ist gut. Aber zu wissen, wer ich bin und was ich will, führt dazu, dass ich das Lernen für mich selbst und nicht nur für kurzfristigen Schulerfolg nutze. Das ist es, was wir mit dem Kleinen Lernbegleiter erreichen wollen.
 
 
4. Ich-Erzähler im KLEINEN LERNBEGLEITER ist Brummi, das Gehirn. Er spricht über die drei Bände hinweg mit den jungen Leserinnen und Leserin. Warum dieser kindlich-narrative Dialog?
 
Der Grund ist ganz einfach: Unsere Gehirne mögen den Dialog. Sie sind auf das Kommunizieren hin angelegt und sie tun dies die ganze Zeit. Über unsere Sinne kommuniziert das Gehirn mit der Außenwelt und es kommuniziert auch mit den einzelnen Teilen unseres Körpers - in erster Linie kommuniziert es aber mit sich selbst. Und genauso ist der Kleine Lernbegleiter aufgebaut: Der Erzähler "Brummi" ist das eigene Gehirn, das von sich berichtet. Der Leser nimmt dies mit dem Gehirn wahr. Brummi spricht also mit sich selbst. Der Dialog entspricht der Funktionsweise unseres Gehirns. Und wenn wir unser Gehirn so benutzen, dass es seiner Funktionsweise entspricht, dann gefällt ihm das. Anders gesagt: Wir haben dann Spaß beim Erleben. Und das ist es, was der Kleine Lernbegleiter machen soll: Spaß. Nur wer mit Spaß lernt, der lernt auch dauerhaft.
 
 
5. Im KLEINEN LERNBEGLEITER geht es um mehr als die Vermittlung von Lerntechniken. Was sind die zentralen Kompetenzen oder Eigenschaften, die vermittelt werden?
 
Vor allem Eigenverantwortlichkeit, Selbstständigkeit und Reflexionsfähigkeit. Im Sinne von Maria Montessori ("Hilf mir, es selbst zu tun") werden die Leser schrittweise dazu angeleitet, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen, ihn aktiv eigenständig zu gestalten und kontinuierlich zu reflektieren. Daher ist "Der kleine Lernbegleiter" auch ausdrücklich kein reines Lesebuch, sondern vielmehr ein Lese- und Arbeitsbuch, in dem der Leser seine selbst gesteckten Ziele, seine Selbsteinschätzungen und Reflexionen festhält. Diese schriftliche Dokumentation dient nicht nur der Intensität der Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der Verbindlichkeit, sondern macht durch regelmäßige Vorher-Nachher-Vergleiche auch die Fortschritte sichtbar, was die Motivation zum Weiterarbeiten fördert.
Das Buch ist bewusst so konzipiert, dass Kinder ab dem 4. Schuljahr ohne Unterstützung eigenständig und selbstbestimmt darin lesen und damit arbeiten können. Zugleich wird die Fähigkeit zur Selbständigkeit während des Lesens kontinuierlich weiter ausgebaut. Somit wird eine entscheidende Voraussetzung für den langfristigen Lern- und Bildungserfolg gegeben: Denn in einer sich immer schneller verändernden Lebenswelt ist nur eigenverantwortliches, selbstgesteuertes Lernen auch nachhaltiges Lernen. Der technologische, kulturelle und soziale Wandel nimmt ständig zu und die Zukunft wird immer weniger voraussehbar. Das lebenslange Lernen und das flexible Reagieren auf sich verändernde Rahmenbedingungen werden damit unverzichtbar. Das bedeutet, es ist nicht mehr ein bestimmtes Wissen im Sinne des traditionellen Bildungskanons, was überlebensfähig macht, sondern ganz andere grundlegende Eigenschaften und Fähigkeiten: Neugier, Motivation, Selbstbewusstsein, Problemlösekompetenz, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit und Selbststeuerung. Sie stehen daher im Mittelpunkt des kleinen Lernbegleiters. Nebenbei sind dies auch die Kompetenzen, die derzeit immer wieder genannt werden, wenn Unternehmen und Universitäten gefragt werden, was Sie von Schulabgängern erwarten und was sie vielfach vermissen.
Ein zentraler Schlüssel zu all dem ist die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und an sich selbst zu glauben. Die Motivation entsteht zum einen durch die dem Menschen grundsätzlich angeborene kindliche Neugier, die es zu erhalten gilt; zum anderen durch persönliche Erfolgserlebnisse. Jeder noch so kleine Erfolg motiviert zum Weitermachen, zum nächsten Schritt und verstärkt zugleich das Selbstvertrauen. In unserer täglichen Arbeit in der Schule machen wir jedoch immer wieder die Erfahrung, dass viele Schüler genau daran scheitern: Sie glauben nicht an sich und den möglichen Erfolg. Eine wesentliche Ursache ist in unserem Schulsystem zu finden: In deutschen Schulen geht es seit jeher darum, Fehler und Schwächen aufzuspüren, deutlich sichtbar zu machen und dann - so gut wie möglich - zu beheben. Doch damit wird das Selbstvertrauen gerade nicht gefördert, sondern vielmehr geschwächt. Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsspezialist Remo Largo fordert daher mit gutem Grund immer wieder, die Stärken der Schüler mehr zu stärken, anstatt nur die Schwächen zu bearbeiten. Eine der Kernbotschaften des "Kleinen Lernbegleiters" ist daher: Entdecke deine Stärken, baue sie aus und vertraue auf sie! Wer auf sich selbst vertraut, kann alles schaffen. Der kann jedes noch so große Problem lösen. Dem kann nicht viel passieren in dieser Welt.
 
 
7. Was erwartet die Leser in Band II und III?
 
Im Zentrum des zweiten Bandes stehen die Lernstrategien, verschiedene Texterschließungsmethoden, Verarbeitungs-, Memorier-, Abruf- und Wiederholungsstrategien. Diese werden verknüpft mit Informationen über den sinnvollen Wechsel von Pausen und Arbeitsphasen und die Art der Gestaltung der Pausen. Der Zusammenhang von Emotionen und Lernverhalten ist ebenfalls ein Schwerpunkt.
Der dritte Band behandelt abschließend die Organisation des Lernens. Er vermittelt erste Grundlagen des Zeit- und Selbstmanagements und gibt Hinweise zur Arbeitsplatzgestaltung. Auch der Medienkonsum (Fernsehen, Computerspiele, Internet) wird in diesem Zusammenhang thematisiert, um den Schülern eine reflektierte und kritische Mediennutzung zu ermöglichen. Das übergeordnete Ziel des dritten Bandes ist es, den Leser schrittweise zu einer bewussten, selbstbestimmten Zeitplanung und Lebensweise hinzuführen. Der Kreislauf aus Zielsetzung, Zielerreichung und Motivation zu neuen Zielsetzungen wird im KLEINEN LERNBEGLEITER von Band zu Band und von Kapitel zu Kapitel schrittweise gelernt und verinnerlicht. Die Kopiervorlage im Schlusskapitel des dritten Bandes ermöglicht es dem Leser, auch nach Abschluss der Lektüre diesen Kreislauf kontinuierlich weiter zu durchschreiten und in der beständigen Reflexion und Kommunikation zwischen dem Leser und seinem Gehirn zu einem Leitprinzip seines Lebens zu machen.
 
 
8. Für welches Alter ist der KLEINE LERNBEGLEITER?
 
Der KLEINE LERNBEGLEITER ist für Kinder ab dem 4. Schuljahr geeignet, also etwa ab 10 Jahren. Die Kernzielgruppe sind Schülerinnen und Schüler in der Klassenstufe 7/8. Wir kennen aber auch Schüler in der 9. und 10. Klasse, die das Buch mit großer Begeisterung gelesen und in ihrer Entwicklung sehr davon profitiert haben.
Letztlich ist diese Frage sehr schwer zu beantworten. Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat in seinen Studien sehr gut nachgewiesen, wie stark das sogenannte Entwicklungsalter vom Lebensalter abweichen kann. Es gibt Kinder, die mit sieben Jahren ein Entwicklungsalter von acht oder neun haben und schon flüssig lesen können. Andere Siebenjährige sind davon noch meilenweit entfernt und haben erst ein Entwicklungsalter von sechs oder sogar erst fünf. Im Verlauf der Schulzeit nehmen die Unterschiede immer weiter zu. Bei 13jährigen variiert das Entwicklungsalter zwischen 10 und 16 Jahre. Daher ist es nicht so entscheidet, wie alt Ihre Kinder sind, sondern in welchem Entwicklungsalter sie sind. Wir empfehlen Ihnen, den KLEINEN LERNBEGLEITER einfach zu kaufen und zu Hause liegen zu lassen. Wenn Ihr Kind soweit ist, wird es von sich aus zu dem Buch greifen und anfangen darin zu lesen und damit zu arbeiten.
 
 
9. Ist der KLEINE LERNBEGLEITER für die Schule oder für zu Hause geeignet?
 
Gedacht ist er eher für zu Hause, da die Schüler ja sehr individuell damit arbeiten, jeder in seinem eigenen Tempo. Mancher wird ihn in zwei Wochen durchlesen, andere über ein halbes Jahr verteilt. Außerdem wird ihn ja auch nicht jeder linear von vorne nach hinten durchlesen, weil es problemlos möglich ist, zu einem Kapitel vorzuspringen, das einen gerade interessiert, und alles andere später zu lesen. Daher ist die gemeinsame Lektüre und Arbeit darin mit der ganzen Klasse vermutlich nicht so einfach. Aber denkbar ist es schon, vor allem an Schulen, an denen es ein Fach wie "Lernen lernen", "Kompetenztraining", etc. gibt. Hier kann der KLEINE LERNBEGLEITER wunderbar als Schulbuch eingesetzt werden.
 
 
10. Haben Sie einen Tipp an die Eltern, wie man den KLEINEN LERNBEGLEITER verwenden kann?
 
Der Kleine Lernbegleiter ist so konzipiert, dass unsere Leser sehr selbstständig mit ihm umgehen können. Sie werden von dem Erzähler "Brummi" durch das Buch hindurch begleitet. Allerdings wird an einigen Stellen im Buch vorgeschlagen, Eltern oder Geschwister um Unterstützung zu bitten - wenn der Leser das möchte. Sollte also Ihr Kind um Ihre Mithilfe bei einem Vorhaben bitten, dann wäre es schön, wenn Sie mit im Boot wären. Ansonsten wird es sicher passieren, dass Ihr Kind seine neuen Erkenntnisse über sich, sein Gehirn und sein Lernen mit Ihnen besprechen und sich mitteilen möchte. Es ist gut für das Lernen und die Entwicklung Ihres Kindes, wenn Sie hier ein interessierter Gesprächspartner sind. Das ist auch schon alles.